Schlagwort-Archive: Leben

änni

danke für dein morgenrot
für dein atmen in mein ohr
danke für die warme hand
die ich da verlor

danke für dein singen früh
und deine strahleküsse
du weißt doch ich vergess sie nie
weil ich sie echt vermisse

danke auch für die geduld
und dein besondres wesen
ich kann an deinem wohlgeruch
nun nimmermehr genesen

danke für die weiche haut
die kleinen blauen blitze
so warmer elektrizität
die fehlt wenn ich hier sitze

danke für dein gutes herz
für alle unsre stunden
wünsche dir den hellsten stern
ich hatte ihn gefunden

© all rights reserved. Mark Max Henckel

singapur

die schwalbe flog nach singapur
man konnte ihr nicht raten
sie hatte grad nichts andres vor
und wollte auch nicht warten

sie wandte sich zunächst nach süd
und später richtung westen
abends sang sie froh ihr lied
auf kargen dürren ästen

sie kam an einen ozean
und guter rat war teuer
das meer zog sie so gar nicht an
es war ihr nicht geheuer

sie machte kehrt am donnerstag
und steuerte nach osten
wo immer singapur auch lag
sie scheute keine kosten

an einem weiher im tessin
wo es im busch so piepte
gewahr sie eine amselin
in die sie sich verliebte

die beiden reisten nach shanghai
und vögelten da täglich
sie brüteten im nächsten mai
das leben war erträglich
© all rights reserved. Mark Max Henckel

melisse

ich bin ein lied das lachen kann
und wachse in die sterne
ich trommele wie ein vulkan
und liebe furchbar gerne

ich schreibe was und höre was
und knüpfe lockenzöpfe
ich backe kuchen für mama
es schmeckt ihr und ich höpfe

mein zimmer räum ich gar nie auf
es hängt mit postern voll
mein vater aber mag das nicht
doch ich finde das toll

meine freundinnen sind klasse
lotti rachel anahita
wir sind eine süße masse
seit den tagen in der kita

und mein onki ist der beste
denn wir schreiben ein gedicht
ja er hilft mir und ich helf ihm
mit nem glücklichen gesicht

© all rights reserved. Mark Max Henckel

stehnpinkler

ich pinkele im stehn
dann kann ich leichter gehn
dann bin ich schneller fort
von dem genässten ort

ich pinkele im stehn
der vorteil ist zu sehn
besser als im sitzen
ganz anders die mit ritzen

ich pinkele im stehn
und keiner hats gesehn
denn schnell ist sowas peinlich
man denkt das ist nicht reinlich

ich pinkele im stehn
auch manchmal aus versehn
und schimpfen die emanzen
dann scheiß ich auf die schranzen

© all rights reserved. Mark Max Henckel

engele

schokolade schmatzend mampfen
ritterburg zu mus zerstampfen
löcher in die bäuche fragen
langsam über tische ragen
haustiere ins körbchen schleifen
niesend in die torte greifen
zahnpasta hinunterschlucken
tanten unter röcke kucken
backen voller bonbons stopfen
köpfe mit dem löffel klopfen
schon mal in die hose pissen
stinketuch als fahne hissen
tiere an die wände klieren
neues spielzeug gleich verlieren
jedesmal mit essen klecksen
sirup ums gesicht rumhexen
abends vor den monstern bangen
wöchentlich tropfnasen fangen
böses n-wort überhören
quengelnd bei gesprächen stören
schicke blusen zu bekotzen
vorm insbettgehn schrein und motzen
irgendwie die knie zerschrammen
und ganz viel liebe
zu entflammen

für nini

© all rights reserved. Mark Max Henckel

Leben ohne Kinder

Ein Leben ohne Kinder
ist wie Indien ohne Inder
wie ein Froschteich ohne Quark
und wie Tiere ohne Park

Ein Leben ohne Kind
ist wie Wolken ohne Wind
so wie Nase ohne Tropfen
und wie Türen ohne Klopfen

Ein Leben ohne Nachfahr
ist wie die Madar ohne gaskar
so wie Pampel ohne Muse
und wie Brüste ohne Bluse

Ein Leben ohne Schlingel
ist wie Löckchen ohne Kringel
so wie Sinn nur ohne Los
und wie Klein nur ohne Groß

© all rights reserved. Mark Max Henckel

ich lebe

ich lebe wie ein fürst
im schnee
wie die schnecke
im salat
ich lebe wie ein blatt
im tee
wie der held
auf großer fahrt

ich lebe wie die wurst
im ofen
wie das wildbrät
im gehölz
ich lebe wie der schmuck
der zofen
wie der bär
in seinem pelz

ich lebe wie der wind
im hafen
wie ein fuß
im dicken strumpf
ich lebe wie das land
des grafen
wie der matsch
in einem sumpf

ich lebe wie der glocken
bimmel
wie der horst
auf einem baum
ich lebe wie der schaum
am himmel
wie ein schloss
in deinem traum

ich lebe wie ein batzen
moos
wie die palme
im urlaub
ich lebe wie das hack
im klos
wie die sohle
auf dem staub

ich lebe wie ich
leben lebe
lebe leben
lebe leb

© all rights reserved. Mark Max Henckel

der erste letzte februar

wir waren wie die kinder
und wir lachten
und wir lachten
haben Nächte durchgelacht

wir hatten uns so viel zu sagen
und erzählten
und erzählten
haben uns so viel gebracht

wir schmiedeten an plänen
und wir kamen
und wir kamen
unsre zeit verging im flug

wir hielten uns in händen
und wir hofften
und wir hofften
doch es wurde nicht genug

wir besaßen nebelbänke
letzten winter
letzten winter
sahen unsre seelen blank

wir begingen stumpfe äcker
und wir rangen
und wir rangen
der nächste frühling wurde krank

wir hatten beide viel zu lernen
und wir sprachen
und wir sprachen
doch dieser eine dunkle tag

da gingst du fort
einfach so
einfach so
für mich war es wie ein schlag

diese ohnmacht ohne boden
und wir litten
und wir litten
ich wollte nicht dass du so gehst

wo ist das alles nur geblieben
als wir schwiegen
als wir schwiegen
ich wollt halten
du verstehst

nur ich verstehe nicht

© all rights reserved. Mark Max Henckel