meine insel

meine insel
in den weiten
in den strömen
der gezeiten
aller meere

wie gern ich
meine insel
wäre

meine insel
in den winden
in den beben
aus den feuern
dieser erde

wie gern ich
meine insel
werde

meine insel
immergrüne
aus den wettern
allen lärmens
find ich hin

wie gern ich
meine insel
bin

nur ich verstehe nicht

© all rights reserved. Mark Max Henckel

ich lebe

ich lebe wie ein fürst
im schnee
wie die schnecke
im salat
ich lebe wie ein blatt
im tee
wie der held
auf großer fahrt

ich lebe wie die wurst
im ofen
wie das wildbrät
im gehölz
ich lebe wie der schmuck
der zofen
wie der bär
in seinem pelz

ich lebe wie der wind
im hafen
wie ein fuß
im dicken strumpf
ich lebe wie das land
des grafen
wie der matsch
in einem sumpf

ich lebe wie der glocken
bimmel
wie der horst
auf einem baum
ich lebe wie der schaum
am himmel
wie ein schloss
in deinem traum

ich lebe wie ein batzen
moos
wie die palme
im urlaub
ich lebe wie das hack
im klos
wie die sohle
auf dem staub

ich lebe wie ich
leben lebe
lebe leben
lebe leb

© all rights reserved. Mark Max Henckel

der erste letzte februar

wir waren wie die kinder
und wir lachten
und wir lachten
haben Nächte durchgelacht

wir hatten uns so viel zu sagen
und erzählten
und erzählten
haben uns so viel gebracht

wir schmiedeten an plänen
und wir kamen
und wir kamen
unsre zeit verging im flug

wir hielten uns in händen
und wir hofften
und wir hofften
doch es wurde nicht genug

wir besaßen nebelbänke
letzten winter
letzten winter
sahen unsre seelen blank

wir begingen stumpfe äcker
und wir rangen
und wir rangen
der nächste frühling wurde krank

wir hatten beide viel zu lernen
und wir sprachen
und wir sprachen
doch dieser eine dunkle tag

da gingst du fort
einfach so
einfach so
für mich war es wie ein schlag

diese ohnmacht ohne boden
und wir litten
und wir litten
ich wollte nicht dass du so gehst

wo ist das alles nur geblieben
als wir schwiegen
als wir schwiegen
ich wollt halten
du verstehst

nur ich verstehe nicht

© all rights reserved. Mark Max Henckel

karussell

ich wollte ich führe
einmal karussell
es drehte im kreise
und sauste ganz schnell
zum himmel hinauf
in luftige höh
damit ich die wälder
von oben besäh
und wieder hinab
durch rauschenden wind
vorbei an den menschen
die unten noch sind
die beine die flögen
durchs heitere blau
ich hielte mich fest
und ich wüsste genau
es wäre kein traum
ich könnte ja fliegen
mit kribbeln im bauch
die nachtigall kriegen
ich sähe zu dir
doch du sähest mich nicht
schon wär ich vorbei
und flöge ins licht

© all rights reserved. Mark Max Henckel

spatzengehirn

ich wollte ich wäre
ein spatzengehirn
ich ließe es hüpfen
flattern und flirrn

ich ließe es plustern
spreizen und wachsen
ließe es schnäbeln
picken und knacksen

ich ließe es piepsend
die weibchen behopsen
und suchte kollegen
das würmchen zu mopsen

ich ließe es tschilpen
rauh oder mild
und ließe es sausen
fröhlich und wild

© all rights reserved. Mark Max Henckel

pfirsichmond

ich hol den roten pfirsichmond
vom himmel in den keller
ich schlag ein wenig fester dann
und auch ein wenig schneller

ich richte deine kleine gier
dein zeter
deinen stolz
ich zähle noch einmal bis vier
mit diesem hellen holz

ich färbe dich
ich gebe dir
du darfst mir das gleich danken
denn offenbar entfernen sich
die schmutzigen gedanken

wie weich du bist
wie wunderbar
so ehrlich hingesunken
das ist der lohn für all die müh
von sinnen sanft und trunken

© all rights reserved. Mark Max Henckel

bauschtanz

bin isch urlaub
mach isch biege
geh isch fliege in türkei

macht familie
misch abhole
önkel is von pülisei

geh isch sitze
in die teehaus
mach isch rede mit kolleg

mach isch kette
von mohamed
immer drehe und beweg

dann isch fahre
sü die wasser
mach isch ganze weg mit büs

über deutsche
mach isch steige
in die schöne bösbörüs

hab isch tante
hat sie döner
macht misch alles auf die hand

sag isch zü ihr
mit die auge
hab isch solsche nisch gekannt

dann isch mache
drücke oma
muss isch leider schon sürück

sagt mir oma
mit die arme
dass sie mache wünsche glück

© all rights reserved. Mark Max Henckel

kuscheln

schmuse mich ins lala-land
welze mich danieder
küsse mich von geisterhand
streife meine glieder

schiebe mich ins federheu
wolle mich bedrücken
knete alles wieder neu
kratze meinen rücken

schenke aus dem grinsemund
glänze aus den augen
streiche meinen popo rund
erleuchte mich mit saugen

bedecke mich doch ganz mit dir
bezüngel örchenmuschel
tätschel hätschel und palpier
massiere und bekuschel

© all rights reserved. Mark Max Henckel

vollromanzen

so eine kleine feine maus
die würde mir gut stehen
ich nähm sie mit zu mir nach haus
und würde mit ihr gehen

doch ginge ich nicht nur mit ihr
ich tät auch mit ihr tanzen
zu einem stückchen vom klavier
würd ich sie vollromanzen

ich läg sie schräg in meiner balz
und hielte sie im arme
ich küsste sie von kopf bis hals
und fummelte am farne

ich kniete nach dem abendtee
vor ihren langen beinen
und ließe sie durch teelichte
gleich tausendfach bescheinen

sie wäre eine klasse frau
und trüge stiefletten
zu netzstrümpfen in dunkelblau
und dampfte zigaretten

wir würden zur verrichtung schreiten
und uns sanft entrüsten
ich würd an ihr hinuntergleiten
spielend mit den brüsten

sie machte ach und gäbe schnauf
und wollte mehr bekommen
ihr herz ging langsam für mich auf
sie sähe nur verschwommen

sie liebte mich in ewigkeit
das wollt ich gern erreichen
und nimmer gäb es herzeleid
wir zwei wärn eines gleichen

© all rights reserved. Mark Max Henckel